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Startseite Stufen Rover Rover-Sommerlager 2010 in Schottland

Rover-Sommerlager 2010 in Schottland

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Als wir überlegten, wie denn unser Sommerlager aussehen sollte, war recht schnell klar, dass wir wandern wollten. Zuerst fassten wir den sehr schönen Malerweg im Elbsandsteingebirge ins Auge, aber die Sprachbarriere (Sachsen!) war uns dann doch zu groß, also flogen wir am 14. Juli nach Schottland.

Vom Flughafen fuhren wir (Kendra, Luca, Lukas, Peter, Tom, Victor und Leiter Christian) dann nach Milngavie, ca. 10 Kilometer nördlich von Glasgow, denn unser neues Ziel war der West Highland Way! So viel schon mal vorab: Bereut haben wir es sicher nicht.

Im örtlichen Tesco vervollständigten wir unsere Vorräte, dann ging es auch direkt los durch eine Farnlandschaft. Zum Glück merkten wir schon nach drei oder vier Kilometern, dass es sinnvoll gewesen wäre, für die Kocher auch Brennspiritus zu kaufen. Lukas und Peter joggten also zurück, während der Rest sich abwechselte, die beiden zusätzlichen Rucksäcke zu tragen. Wie wir leider erfahren mussten, ist Brennspiritus nicht überall verbreitet - die meisten Schotten halten ihn sogar für mehr oder weniger verboten, was natürlich Quatsch ist. So mussten wir die ersten Tage auf unsere leckere Tütennahrung verzichten, woran auch zwei in der Not gekaufte Einweggrills und flüssiger Grillanzünder nichts ändern konnten. Am dritten Tag erspähten wir in der Jugendherberge Rowardennan, versteckt zwischen Schokoriegeln, endlich zwei Flaschen mit violett gefärbtem Inhalt: "methylated spirits"!

Der Weg dorthin war aber auch ohne Knorr und Maggi erlebnisreich. Recht bald nach dem Aufbruch in Milngavie fing es natürlich an zu regnen, und zwar so richtig. Die meisten von uns hatten zwar den Rucksackinhalt zusätzlich in Plastiktüten verpackt, trotzdem stießen schon bald erste Wanderstiefel und Jacken an ihre Grenzen. Sehr froh waren wir deshalb, dass uns ein älteres Ehepaar die Garage als Nachtlager zur Verfügung stellte. Dort erfuhren wir auch von der älteren Dame, dass es an Verrücktheit grenze, Schottland im Juli zu besuchen...

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Drymen, wo wir in "Schottlands ältestem Pub" (Eigenaussage) The Clachan Inn einkehrten. Anschließend machte sich Lukas, der schon vor dem Lager mit Magenproblemen zu kämpfen hatte, leider auf den verfrühten Heimweg. Der Rest der Gruppe wanderte durch einen Wald und später bergauf durch ein kleines Bachbett weiter in Richtung Conic Hill. Und von dort hatten wir dann auch einen wunderbaren ersten Blick auf den langgezogenen Loch Lomond, Schottlands größten und wohl schönsten See.

Schnell stiegen wir nach Balmaha ab und suchten uns einen schönen Lagerplatz direkt am See. Der West Highland Way verlässt den See auch nicht so schnell, sondern führt mal über schmale, felsige Pfade direkt am Wasser entlang, dann wieder zu Aussichtspunkten weiter oben im Wald, immer wieder unterbrochen von Hunderten von kleinen Wasserfällen und auch mal einer kleinen Höhle - wirklich eine tolle Etappe, und irgendwo mittendrin auch die bereits erwähnte Jugendherberge, die uns endlich den ersehnten Spiritus brachte.

Der Loch Lomond ist zwar sehr lang, irgendwann mussten wir aber doch Abschied nehmen. An einem Bach und einer glücklicherweise so gut wie gar nicht befahrenen Bahnlinie entlang liefen wir bis kurz vor Crianlarich, wo wir am Waldrand erneut die Zelte aufschlugen. Am nächsten Tag ging es weiter durch einen tiefen Wald nach Tyndrum. Dort wurde ein sehr touristischer Shop/Tankstelle/Souvenir/Restaurant-Komplex zum Einkaufen (oder auch Haarewaschen am Waschbecken mit Handtrockner) genutzt, bevor wir weiter dem Weg folgten. Und ab dort begann auch wirklich langsam das Highland. Die Landschaft wurde zwar auch vorher schon zunehmend hügeliger, aber ab Tyndrum ist der Blick auf erhabene Berge wirklich allgegenwärtig.

In den nächsten beiden Tagen fanden wir schöne Zeltplätze direkt am Fluss. Zuerst direkt an der Bridge of Orchy, wo auch die Duschen des nahegelegenen Hotels genutzt wurden und der Kameraakku geladen werden konnte, am nächsten Tag dann kurz vor einem steilen Aufstieg, der sich nicht umsonst "Devil's Staircase" nennt. Beide Tage waren geprägt von typisch schottischem Wetter, aber zum Ausgleich auch von typisch schottischer Landschaft - einfach traumhaft!

Nach der Treppe des Teufels ließen wir uns am bisher höchsten Punkt der Wanderung den Wind um die Ohren pfeifen, bevor wir uns an den Abstieg nach Kinlochleven machten. Der Weg ist gesäumt von Cairns - es ist ein alter schottischer Brauch, diese Steinhaufen zu ergänzen, wenn man daran vorbeikommt.

Wieder einmal deckten wir uns mit nötigen und unnötigen Vorräten ein, bevor wir aufbrachen. Wir wollten noch ein Stück laufen, um die folgende letzte Etappe zu verkürzen, allerdings dauerte es eine Weile, bis wir am Weg ein Stück Wiese fanden, das groß und eben genug für unsere drei Zelte und nicht sumpfig war. Aber dafür kamen wir am nächsten Tag tatsächlich noch am nachmittag in Fort William, dem Endpunkt des West Highland Ways, an. Wir nutzten die Zeit, um uns ein Hostel zu suchen - die erste und einzige Nacht, die wir in Betten verbrachten!

Der nächste Morgen begrüßte uns mit glänzendem Wetter und wir teilten uns auf. Kendra, Tom und Victor verbrachten den Tag in der kleinen Stadt, Luca, Peter und Christian wollten den Ben Nevis, Großbritanniens höchsten Berg, besteigen. Die Idee hatten wir nicht ganz alleine, und so überholten wir auf den 1300 Metern Aufstieg Weg nach oben ziemlich viele Touris (und na gut, einige wenige Extremjogger überholten auch uns). Die Aussicht von oben war grandios in alle Richtungen, so gute Sicht ist wohl recht selten - Glück gehabt! Am besten war die Sicht natürlich vom allerhöchsten Punkt der britischen Inseln: dem Dach der Schutzhütte!

Zurück in Fort William brachen wir auch direkt mit dem Bus nach Glasgow auf. Die Busstrecke kommt oft in die Nähe des West Highland Way, so konnten wir einige schöne Stellen wiedererkennen. Glasgow war leider eher eine Enttäuschung. Die wenigen Pubs, die noch offen hatten, ließen uns nicht rein, da nicht alle 18 waren - dabei wollten wir nur der Livemusik lauschen. Also übernachteten wir bald im Busbahnhof und verbrachten den nächsten Vormittag im Stadtpark am River Clyde in der Sonne. Nach über 150 Kilometer wandern hatten wir uns diese Erholung aber auch verdient!

Danach setzten wir uns in den Bus nach Edinburgh, wo wir kurz nach der Ankunft in den Bann einer hervorragenden spanischen Band gerieten, die am Straßenrand tolle Musik spielten. Außerdem trafen wir eine deutsche Pfadfindergruppe, die gemeinsam mit Schotten unterwegs waren, die auch einen Pfadfinderzeltplatz am Stadtrand kannten - super! Also machten wir uns bald auf den Weg zum Bonaly Scout Centre, unserem Lagerplatz für die letzten Nächte.

Die Tage dazwischen verbrachten wir natürlich in Edinburgh. Rund ums Schloss, quer durch die Altstadt und natürlich über die Royal Mile mit den vielen Straßenkünstlern. Außerdem fuhren wir ans Meer und besuchten den wirklich sehenswerten Holyrood Park über dem Schottischen Parlament. Langweilig wurde uns nicht und wir waren schon etwas traurig, als wir uns am 26. Juli nach einem wunderschönen und abwechslungsreichen Sommerlager wieder ins Flugzeug setzten!

Christians Fotos:

 

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