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Pfadi-Sommerlager 2008

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Spontaneität gefordert

Schon Ende 2007 war es beschlossen: Die Pfadis wollen nächsten Sommer nach Irland. Das Programm und eine Wanderroute standen ungefähr fest, der Flug war gebucht sowie die reservierten Parkplätze am Flughafen Hahn bezahlt. Auf Wandern im irischen Klima hatte man sich eingestellt und entsprechend gepackt.

Die Fahrt zum Flughafen, das Parken, der Shuttlebus zu Terminal - alles lief wie am Schnürchen. Die Leiter stellten sich in die Schlange am Schalter und der Blick fiel auf die Anzeigetafel. Zunächst fiel hier nichts ungewöhnliches auf, außer der merkwürdige Name des Stadtteils in dem sich der Dubliner Flughafen befindet: Dublin-Cancelled. 22:00 Uhr Dublin-Cancelled. Nach einer Übersetzung ins Deutsche und einem Blick in die schlechtgelaunten Gesichter in der Schlange wurde klar: Der Flug entfällt! "Der nächste: In zwei Tagen, oder morgen Abend von Karlsruhe" sagte der nette Herr am Schalter.

Wir setzten ins in eine Runde, um unsere weitere Vorgehensweise im Trupp zu besprechen, Ergebnis: Wir ließen uns die Kohle zurück überweisen, besetzten die Fahrzeuge und wollten ab Richtung Südfrankreich, Wander- und Badeurlaub. Nur noch schnell die Eltern in Kenntnis setzten. Hierbei wurde uns der Hinweis gegeben: Südfrankreich - war da nicht ein Atomunglück? Ein kurzes Googeln ergab, dass Uran in nicht geringen Mengen ins südfranzösische Grundwasser gelangen war, was ein behördliches Badeverbot in allen Gewässern und Vorsicht beim Trinken von Leitungswasser zur Folge hatte. Von einem Zelten auf wassernahen Wiesen wurde abgeraten.

Wieder kamen wir zur Runde zusammen. Zunächst war die Rede von einer Besichtigung der Stadt Amsterdam mit anschließender Radtour an der Nordsee, doch später entschlossen wir uns einstimmig, stattdessen München zu sehen und anschließend in den Alpen bzw. im Oberallgäu zu wandern.

Da der Abreisetag bei beiden Fahrern gleichzeitig der letzte Arbeitstag war und sich die Fahrt bis München noch tief in die Nacht hinziehen würde, entschloss man sich aus Sicherheitsgründen, die beiden PKW, deren Kapazitäten mit 10 Personen plus Gepäck maximal ausgelastet waren, auf halben Weg abzustellen und im Pforzheimer Wald ein Lager aufzuschlagen.

Der Campingplatz am südlichen Stadtrand Münchens wurde am Mittag des nächsten Tages bezogen. Der Rest des Tages ging für Einkaufen, Kochen, Spaziergänge im Stadtpark an der Isar, Baden, Informieren und Planungen zum nächsten Tag und für das für die Pafdistufe charakteristische "Chillen" drauf.
Der sonnige Freitag gehörte ganz München. Bis zum Nachmittag wurde die Stadt in Kleingruppen erkundet, nachmittags tauchten wir unsere Beine in die Gewässer des Englischen Gartens. Abends wurde das nächste Ziel angepeilt: Oberstdorf, wo wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit den Campingplatz bezogen.

Der erste Blick aus dem Zelt am Samstagmorgen bot uns genau das, worauf wir aufgrund irischer Wettervorhersagen eigentlich eingestellt waren: kalt und nass. Die Wanderlust wurde aber keineswegs getrübt. Die Breitachklamm und ein danach angepeilter Aussichtspunkt boten dafür eine sagenhafte Kulisse. Da der Regen immer stärker wurde fiel die Entscheidung zur Gestaltung des Nachmittags nicht schwer. Wir checkten kurzerhand in der Oberstdorf-Therme ein. Hauptbeschäftigung war hier ein Wettkampf bei der Eroberung von donutförmigen Schwimminseln im Hauptbecken.

Der Regen ließ auch in der Nacht nicht nach. In zwei Zelte tropfte es hinein, die beiden anderen wiesen bereits mittelgroße Pfützen auf. Das Frühstück fand auf dem Campingplatz auf einer Sitzgruppe statt, deren Überdachung die Regenmassen auch nicht mehr ganz abhalten konnte. Ein Erkundigen nach den Wetteraussichten brachte keine gute Nachricht: Extremer Dauerregen ohne Besserung bis Mittwoch. Die Campingplatzverantwortliche riet uns davon ab, bei diesem Ausnahmewetter Wanderungen vorzunehmen.

Da der Wunsch nach einer Wanderung in der Gruppe noch groß war, wurde wieder mal ein spontanes Umplanen erforderlich. Da wir wussten, dass das Wetter einige hundert Kilometer nördlich schon besser wurde, rollten die Autos kurze Zeit später schon auf dem Highway. Auf einer Raststätte fand ein kurzes "Blitzlicht" mit einem aufgeschlagenen Atlas in der Mitte statt. Beschluss: Die übrige Zeit des Lagers sollte auf dem Rheinsteig verbracht werden.

Am späten Nachmittag stellten wir die Autos in Kaub ab und der Marsch entlang des Rheintals wurde gestartet. Im Lorchhausener Wald wurde unter freien Himmel an einer Feuerstelle übernachtet. Von dort aus wanderten wir noch fast 20km und beendeten unsere Tour in Assmannshausen. Nachdem die Leiter die Autos geholt hatten wurden alle Teilnehmer nach Hause gefahren und das Lager war am Montagabend beendet.

Das Lager hat gezeigt, dass es oft anders kommt als geplant. Die Pfadis bewiesen Spontaneität und ließen sich nie die Laune vermiesen. Alle plötzlich geforderten Planänderungen wurden gelassen hingenommen und die Alternativen in der Gruppe entschieden. Die Leiter durften sich also über eine gut funktionierende Gemeinschaft in der Gruppe freuen. Spaßig war es also auf jeden Fall. Und nach Irland kommen wir auch schon noch!

Snyders Fotos:

Momos Fotos:

 

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